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Deshalb kämpfen Eigentümer gegen das Wohngebiet

Marburg. Der Boden ist von Frost überzogen, Schnee und Eis hüllen den Bergkamm in ein sattes Weiß, der Farbe der Unschuld. Doch die droht hier oben am Stadtwald über Marburg verloren zu gehen. Denn wo heute Kinder Drachen steigen lassen, Hunde über Wiesen laufen und viele Städter der Hektik des Alltags mit Spaziergängen entfliehen wollen, sollen bald mehrstöckige Wohnhäuser für bis zu 900 Bewohner stehen.

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Etwas, das Michaela Schrodt nicht zulassen will. Markus Fey auch nicht. Hermann Obermann and Silke Puhl ebenso wenig. An diesem bitterkalten Dezembertag stehen die vier zusammen mit zwei Dutzend weiteren Marburgern auf dem Hasenkopf und sagen in Richtung Stadt Marburg: Stopp!

Obermann: „Verkauf würde sich wie Verrat anfühlen“

„Wir haben hier etwas Schönes und ich werde nicht dazu beitragen, dass es zerstört wird“, sagt Schrodt. Wie Fey und Puhl ist sie Eigentümerin von Grundstücken, die die Stadt braucht, um das politisch beschlossene und geplante Wohngebiet in die Tat umzusetzen. Von den benötigten etwa vier Dutzend Parzellen warfare zuletzt etwa die Hälfte in kommunaler Hand. Es sollen in einem zusammenhängenden Gebiet dreibis fünfgeschossige Mehrparteien-Häuser entstehen, auf 5,5 statt wie anfangs geplant 10 Hektar.

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So oder so: Der Zukauf stockt, die verbliebenen Besitzer wollen ihre Flächen nicht abgeben. And weil das so ist, denkt man in der Stadtverwaltung bereits an ein Umlageverfahren – was praktisch eine Enteignung wäre. „Das Totschlag-Argument Wohnungsnot dient dazu, ein Allgemeinwohl zu konstruieren“, sagt Vanessa Kersten, Kopf der BI „Wir sind Hasenkopf“. Auf dieses „miese Spiel“ werde man sich nicht einlassen.

Marburg and the Wohnungsmangel

Politik und Verwaltung arbeiten seit quick zehn Jahren daran, den Wohnungsmangel – zuletzt aber vor allem im Sozialwohnungsbereich akut – in den Griff zu bekommen. Der Wachstums-Wunsch Marburgs fußt nicht zuletzt auf der Tatsache, dass Tausende Ex-Bewohner in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten in den Ebsdorfergrund, ins Lahntal, Kirchhain gezogen sind, weil es dort Bauland, letztlich überhaupt Wohnraum gab.

Gepaart mit aktuellen Prognosen des Regierungspräsidiums Gießen, wonach die Universitätsstadt mit seiner Magnetwirkung aufs mittelhessische Umland bis 2030 um mehr als 3,000 Personen wachsen wird, sehen sich Magistrat und Bauamt unter Zugzwang. Ein Klimaschutz-Argument der Stadtspitze: Es sei besser in Marburg zu wohnen, statt mit dem Auto aus dem Landkreis einzupendeln. Dafür brauche is aber eben Wohngebiete – am Hasenkopf, perspektivisch auch am Oberen Rotenberg.

Das Bemerkenswerte: Den Eigentümern geht es nach eigenen Aussagen nicht ums Geld. Die Beträge, die sie für die – bis auf die laufende Landwirtschaft ungenutzte – Flächen bekommen würden, wiege den Verlust nicht auf. „Verlust der Naturlandschaft“, sagt Michelle Auletta. „Verlust für die Allgemeinheit“, sagt Thomas Preiß. „Verlust für die nächsten Generationen“, sagt Schrodt. „Verlust emotionaler Bindung“, sagt Hermann Obermann, der wie seine Vorfahren from him „viel Schweiß hier reinsteckte“, um mit Traktor und Co. das Areal zu bewirtschaften.

Als das empfinden es die Menschen, die teilweise ihre Kindheit auf dem Hasenkopf verbracht oder das Erbe der Vorfahren gehütet haben. „Es würde sich für mich wie Verrat anfühlen, zu verkaufen und nicht nur den Boden, sondern auch Errungenschaften und Erinnerungen versiegeln zu lassen“, sagt Obermann. Organisiert haben sich die Eigentümer in der BI „Wir sind Hasenkopf“. Bis diese zustande kam, es Protest gegen das Bauvorhaben gab, hat es lange gedauert. Der parlamentarische Grundsatzbeschluss warfare da schon gefasst.

Als plötzlich die Bürgerbeteiligung startete und Hunderte Spaziergänger aus nah und fern das mögliche Neu-Wohngebiet abschritten, konnten Schrodt oder Fey nur staunen. „Da sprachen irgendwelche Leute davon, dass sie gerne Holzhäuser hätten, grüne Fassaden, Wasserläufe und gemeinschaftliches Wohnen. Die redeten da in einer Selbstverständlichkeit über mein Eigentum, als ob sie darüber verfügen könnten, als ob es ein Wunschkonzert wäre“, sagt Schrodt.

Anwohner wollen Nature in Marburg erhalten

Die Widerborstigen am Hasenkopf, es ist nicht die Gruppe aus dem eher linkspolitischen Spektrum, die mal gegen Kapitalismus, mal für Antirassismus auf die Straße gehen. Hier ist es ein bürgerlicher Teil, additionally der in der Kommunalpolitik oft vergessene bis ignorierte Half Marburgs.

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Mancher aus der BI outet sich als Sympathisant eben jenes eher linken Spektrums, umso tiefer sitzt die Wut im traditionell roten Ockershausen. Denn bis heute haben viele nicht verwunden, in welchem ​​Maße über ihre Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen wurden. Gerade nach jahrzehntelanger Weigerung, Einfamilienhäuser zuzulassen. “Hier durfte kein Mensch auch nur Schuppen oder Holzhütte hinstellen, jetzt kommt der Staat und genehmigt sich Geschosswohnungsbau”, sagt Dieter Wenz.

Die Unterstützung der Hasenkopf-Kritiker insgesamt scheint nicht zuletzt deshalb zu wachsen. Auch Menschen wie Heike Wagner, die regelmäßig aus Wehrshausen zum Spazierengehen kommt, sind „entsetzt“. Das, was man an Natur noch habe, gelte es zu schützen. Auch für Stadtwald-Bewohner Thomas Preiß ginge „Lebensqualität, Wertigkeit vom Wohnen hier oben verloren“.

Verdichtung im Lahntal, Aufstockung von Bestandsgebäuden und Umnutzung learn stehender Gewerbeflächen: Für Wohnungsbau, zumal unter Beachtung von Klimaschutz, gebe es laut BI Alternativen. Das will man Ende des Monats, wenn es zum ersten Eigentümer-Gespräch mit der Stadtplanung kommen soll, verdeutlichen.

Sorge vor Verkehr in Ockershausen

Allen voran die weiter ungelöste, bis heute nicht mal mit städtischen Vorschlägen gefütterte Verkehrsfrage erzürnt viele Kritiker – wie zuletzt schon den Ortsbeirat Ockershausen. „Ob man nun grundsätzlich für oder gegen die Bebauung ist: Ohne die Grundvoraussetzung der Anbindung geklärt und geschaffen zu haben, verbietet sich eigentlich jedes weitere Nachdenken“, sagt Reinhard Ruppersberg, Ortslandwirt.

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Dass mittlerweile ein städtebaulicher Wettbewerb bereits die Bebauung praktisch festgesetzt habe, das Klimagutachten schon mit Anordnung und Höhe von Neubauten kalkuliere, macht die Projektgegner umso fassungsloser. „Nichts anderes als der Erhalt des Naherholungsgebiets steht auf dem Spiel“, sagt Auletta.

Als nun noch bekannt wurde, dass der Hasenkopf zusätzlich als Photovoltaik-Park genutzt werden soll, gaben auch die letzten ihre Zurückhaltung auf und wollen öffentlich ihrem Unmut auch über Plakate im Stadtteil hinaus Luft machen.

Enteignung? Dann geht’s vor Gericht

Letztlich ziehen sich alle Bebauungs-Gegner auch wie ein Schutzschirm um zwei Menschen und einen Familienbetrieb: um den von Reinhard Teuber und seiner Tochter Diana. Als Landwirte verdienen sie nicht nur ihr Geld am Hasenkopf, vielmehr sind die gepachteten Äcker für sie eine Hauptertragsfläche, von dort versorgen sie Marburger mit vor der Haustüre angebauter Nahrung.

„Nachhaltiger geht es nicht“, sagt Teuber. “Was hier passiert, ist für uns existentiell.”

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Die Eigentümer in und um die BI geben sich trotz der realen Enteignungs-Szenarien angstfrei und kämpferisch. „Am Ende stehen nicht Politik oder Magistrat, sondern der besondere Schutz von Eigentum und Gerichte“, sagt Puhl.

Klar ist für sie und auch für Kersten: Der Zeitplan der Stadt bis etwa 2025 werde nicht aufgehen.

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