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Händler schneiden Hunden die Ohren ab – aus Geldgier

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From: Maximilian Gang

Hunden die Ohren und die Rute zu entfernen, ist in Deutschland verboten. © Imago/Yay Photographs

Erst kürzlich machte ein Tierheim mit einem erschütternden Fall auf eine grausame Praxis aufmerksam: Immer wieder schneiden Händler Hunden die Ohren ab. Die Gründe dafür sind für Tierfreunde nicht nachvollziehbar.

Köln – Immer wieder berichten Tierheime von schlimmen Fällen, in denen Hunde in ihre Obhut kommen, denen die Ohren oder die Rute abgetrennt worden ist. Zuletzt rettete das Tierheim in Köln-Dellbrück den zweijährigen Staffmix Erni, der zuvor verstümmelt und misshandelt worden battle. In diesem Fall wollte der Händler den kleinen Erni als eine andere Rasse verkaufen – wohl um das Landeshundegesetz aus NRW zur Haltung von „gefährlichen Hunden“ zu umgehen.

Erschütternd: Betrügerische Hundehändler versuchen es immer wieder mit dieser Masche, so das Tierheim – und das auf Kosten der leidenden Tiere. Es gibt zudem noch einen weiteren Grund, warum manche Tierhändler so grausam handeln.

Händler schneiden Hunden grausam die Ohren ab: „Regelrechter Kupiertourismus“

„Früher waren solche Verstümmelungen bei vielen Rassen durch die Rassestandards gefordert“, erklärt Hester Pommerening, Sprecherin beim Deutschen Tierschutzbund, gegenüber 24RHEIN. Typischerweise wurden zum Beispiel beim Dobermann, Boxer, Schnauzer oder bei Doggen und Pinschern Ohren und Schwanz teilweise abgetrennt. Bereits seit 1986 ist das Kupieren der Ohren, wie das Abtrennen bezeichnet wird, jedoch in Deutschland verboten. Auch das Kupieren von Hunderuten ist herzulande schon lange nicht mehr erlaubt. Das Verbot wird aber häufig ausgehebelt, wie die Tierschützerin erklärt.

Kupieren: Abtrennen von Ohren und Rute

Das Wort Kupieren kommt vom französischen couper, das übersetzt schlicht „abschneiden“ bedeutet.

Gemeint ist das Abtrennen von Schwanzwirbeln und Ohren bei Hunden, vornehmlich aus Modegründen. In vielen Ländern Europas ist diese einst bei zahlreichen Hunderassen übliche Praxis mittlerweile verboten.

„Das Kupierverbot umgehen unseriöse Züchter und Besitzer leider noch immer regelmäßig, indem sie einen Teil von Rute und Schlappohren im Ausland amputieren lassen – ein regelrechter Kupiertourismus“, so Pommerening. Und auch im Rahmen eines weiteren bedenklichen Vorgangs kommen häufig misshandelte Hunde zu deutschen Besitzern: „Auch durch den illegalen Welpenhandel werden immer wieder Tiere unlawful eingeführt und hier gehandelt, deren Ohren kupiert wurden“.

Tierquälerei: Dahinter steckt auch ein „Schönheitsideal“

Wenn der Hund dann innerhalb von Deutschland weiterverkauft wird, stellt das juristisch keinen Straftatbestand mehr dar, wie die Tierschutzbund-Sprecherin erläutert. Denn: Der Verkauf und die Haltung von kupierten Tieren sei grundsätzlich authorized. Kaum zu glauben, aber es sind sehr häufig profane „Schönheitsideale“, die Menschen bei Hunden haben. „Die Tiere sollen gefährlicher aussehen“, so Pommerening. Damit schaden Züchter und Halter ihren Tieren erheblich – und auf mehreren Ebenen.

Stümperhafte Amputationen sorgen für Schmerzen und langwierige Probleme

„Beim Kupieren der Ohren werden mehrere Adern und Nervenstränge durchtrennt“, so Pommerening. Der Amputationsschmerz halte auch nach der OP noch mehrere Wochen an. „Entsprechend tierschutzwidrig ist die Amputation“. Und man kann sich vorstellen, mit welcher Sorgfalt unseriöse Besitzer und Halter mit dem leiblichen und seelischen Wohl ihrer Schützlinge umgehen: „Immer wieder wird das Kupieren auch noch so stümperhaft gemacht, dass es im Nachhinein zu langwierigen Infektionen kommt“, so die Tier.

Doch das sind nicht die einzigen Folgen für die Hunde. „Neben den Schmerzen hat die Amputation auch Auswirkungen auf das Verhalten. Untersuchungen zeigen, dass Hunde in ihrem Ausdrucksverhalten stark eingeschränkt sind, wenn die Signalwirkung von Schwanz und Ohren fehlt“.

Tierschützerin: Kupieren von Hunden nur selten erlaubt

Nur in Ausnahmen ist das Kupieren der Hunde in Deutschland deshalb authorized. Und das sind wenige: „Ausnahmen von dem Verbot sind nur zulässig, wenn eine Indikation aus medizinischer Sicht vorliegt, zum Beispiel bei einer großräumigen An infection oder schwerwiegenden Verletzung“, so die Tierschützerin. Diese Fälle betreffen dann allerdings nur das betroffene Ohr. Außerdem spreche man dann nicht vom Kupieren, sondern von einer Amputation. Laut dem Gesetz darf die Rute bei jagdlich geführten Hunden zudem entfernt werden.

Das ist bei den meisten kupierten Hunden jedoch nicht der Fall. „Das standardmäßige präventive Verstümmeln bestimmter Hunderassen ist niemals notwendig“, so Pommerening. Einige Halter argumentieren in Bezug auf Dobermänner beispielsweise davon, dass diese verstärkt zu Ohrenentzündungen neigen. Dazu hat die Sprecherin eine klare Ansicht: Das „ist eine reine Schutzbehauptung und tiermedizinisch nicht nachgewiesen“.

Eines steht jedoch fest, wie Pommerening erläutert: „Wer den Schmerz für die Hunde vorsätzlich und ohne vernünftigen Grund herbeiführt, verstößt nicht nur gegen das Tierschutzgesetz, sondern nimmt auch billigend das Leid der Tiere in Kauf“. (mg) Honest und unabhängig informiert, was in NRW passiert – right here unseren kostenlosen 24RHEIN-E-newsletter abonnieren.

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