Skip to content

Urteil der Deutschen über die USA

Der Erste conflict ein afroamerikanischer Prediger in Atlanta, Georgia. Ich conflict neunzehn, und er erzählte mir von seiner Baptistengemeinde de el, bevor er mich zum Gottesdienst einlud. Einige Jahre später folgte ein Tankwart mit indigenen Wurzeln in Rockwell, New Mexico, der mehr als zwei Stunden lang seine Pläne zu einer UFO-Beobachtungsstation ausbreitete, die er auf seinem Land de el unter diesem wunderbar klaren Himmel bauen wolle; dann ein jüdischer Copyshop-Bestizer in New York, dessen zwei Hobbys – Hunde retten im Central Park und die Lektüre aller jemals erschienenen Romane über den Vietnamkrieg – ihn rund um die Uhr beschäftigt hielten; eine ältere Dame in San Francisco, die mich in ihrer kleinen Wohnung de ella vier Tage lang beherbergte, ohne mich zu kennen; und natürlich mein langjähriger Freund Roger von der amerikanischen Nordwestküste, ein Buddhist und Psychotherapeut, der in den vergangenen Jahren zum Sportschützen wurde, weil er findet, es dürfe nicht „von der Laune eines gewalttätigen Menschen abhängen, ob ich lebe oder sterbe“. Heute besitzt Roger vier Handfeuerwaffen, ein Gewehr und eine Schrotflinte.

Diese Menschen und viele andere haben dem Besucher vermittelt, dass die persönliche Begegnung immer weit über das hinausgeht, was sich über Amerikaner wissen, vorhersagen und erst recht von oben herab dozieren lässt. Ohne eigene Erfahrungen ist das einfach nicht zu haben: Man kann das Land nicht aus der Ferne studieren. Man kann den Individualismus im amerikanischen Verhalten nicht verstehen, wenn man sich nicht mit Amerikas Individuen beschäftigt. USA-Reisende wissen, dass sich zwar hin und wieder auch alte Urteile bestätigen, von der grellen Werbung bis zum labberigen Kaffee; aber viel öfter erlebt man Überraschungen in Bezug auf Mut, Originalität und Optimismus.

Leidenschaftlich bezeugte Ergriffenheit

Vielleicht ist die letztgenannte Eigenschaft sogar jene, die Amerikaner am stärksten von Deutschen unterscheidet: Während wir ängstlich, überaltert und sicherheitsbezogen sind, hilfesuchend zum Sozialstaat aufschauen und die Älteren gar nichts Merkwürdiges mehr darin sehen, sich dreißig Jahre lang auf denselben Bürostuhl zu setzen, glauben Bewohner eines Einwanderungslandes – auch solche, denen es materiell schlechter geht als uns – intuitiv an die Kraft der Veränderung.

Wenn sich diese Kraft abermals geballt zeigt wie im öffentlichen Vortrag eines Gedichts durch Amanda Gorman bei der Amtseinführung Joe Bidens, spüren wir dreierlei: Überraschung, dass Pathos trotz allem noch möglich ist; Betretenheit, dass ein Großteil der Nation den Pathos-Augenblick wie selbstverständlich zu teilen scheint; und, wenn wir ehrlich sind, einen gewissen Neid auf die USA, weil Pathos in Deutschland aus historischen, mentalitätsspezifischen und sonstigen Gründen verpönt ist. Pathos ist leidenschaftlich bezeugte Ergriffenheit.

Wir pflegen additionally, statt Ahnung von Amerika zu haben, eher einen moralisierenden, nörglerischen Antiamerikanismus, der sich weder um kulturelle Eigenheiten noch Landesgeschichte schert und besonders gern in Urteilen äußert wie dem, Amerikaner seien „oberflächlich“ – was Deutsche delb devor allem Wahrheshait , weil Amerikaner konsequent Höflichkeitsformeln verwenden, die Deutsche missverstehen, wie ja überhaupt quick der gesamte Relaxation der Welt höflicher ist als wir.

Daneben gibt is die Angeberei selbst ernannter deutscher Amerika-Kenner, die sich ihren Landsleuten weit überlegen fühlen, weil sie mit dem einen oder anderen USA-Spezifikum vertraut sind. Wo tiefere Kenntnisse der amerikanischen Kulturgeschichte fehlen, sieht Deutschland auch in Thomas Gottschalk einen Experten, was man Gottschalk nicht anlasten sollte.

Was haben wir aus Romanen gelernt?

Natürlich kriegen wir viel von diem Land mit. Ein stetiger Warenstrom von dort nach hier hält uns versorgt. Es scheint aber, als hätten wir, um ein Beispiel zu nennen, aus den vielen amerikanischen Romanen kaum etwas gelernt, die uns seit Jahrzehnten Nachrichten aus dieser widersprüchlichen, umkämpften, ständig im Fluss befindlichen Welt zukommen lassen: früher aus armen den Epen Faulk Weißen, deren Nachkommen garantiert Donald Trump gewählt hätten; dann aus den Romanen von James Baldwin, John Updike, Toni Morrison und Richard Ford, von Junot Diaz, Chimamanda Ngozi Adichie oder Ayad Akhtar.

Was jetzt nach den Midterms geschieht? Ezra Klein schrieb vor zwei Jahren in seinem Buch „Der tiefe Graben: Die Geschichte der gespaltenen Staaten von Amerika“ von der künftigen Aufgabe aller: „Wir müssen unser politisches System so reformieren, dass es unter den Bedingungen der Polarisierung funktionieren kann.“ Auch von Amerikas Realismus können wir etwas lernen.

.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *